Das Pädagogische Konzept im Montessori-Kinderhaus
Unser Anliegen ist es, Kinder altersgerecht zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten heranreifen zu lassen. Die Erkenntnis von Maria Montessori, dass das Kind „der Baumeister seiner selbst” ist, bringt uns zu der Überzeugung, dass die Kinder mehr denn je Zeit und Raum brauchen, um sich entwickeln zu können. Sie sollen ohne Druck heranwachsen und ihre Neigungen erkennen lernen können. Der schöpferische Wille, den jedes Kind in sich trägt, soll gefördert werden. Das Kind mit seinen Bedürfnissen steht im Mittelpunkt. Da in der heutigen Zeit immer mehr Kinder in Kleinfamilien oder allein mit nur einem Elternteil aufwachsen, ist es Anliegen unserer Kindertageseinrichtung, die Kinder in altersgemischten und offenen Gruppen zu betreuen. Dadurch können die Kinder wirklich altersübergreifende Erfahrungen im Zusammenleben machen. Die gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung soll die Ausgrenzung behinderter Menschen überwinden helfen und soziales Lernen fördern. Das Kinderhaus ist konfessionsfrei. Das Montessori-Kinderhaus steht in einem inhaltlichen und räumlichen Zusammenhang zur Freien Schule Magdeburg.
>>> Kinderhaus-Konzept (PDF)
Auf einen Blick
Träger unserer Kindertageseinrichtung ist die „Initiative zur Förderung aktiver und freier Pädagogik e. V.” - eine Elterninitiative. Im Kinderhaus werden 66 Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren in drei altersgemischten Gruppen betreut. Es besteht die Möglichkeit, einzelne Kinder integrativ zu fördern.
Personal
Im Kinderhaus arbeiten eine Leiterin, fünf Pädagog/innen, eine Heilpädagogin, zwei technische Kräfte und ein Hausmeister. Alle Pädagog/innen haben das Montessori-Diplom erworben.
Räumlichkeiten
Jeder Gruppe stehen ein Gruppenraum und ein Sanitärbereich zur Verfügung.
Öffnungszeiten
Das Kinderhaus ist werktags von 7.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Während der Sommerferien bleibt das Kinderhaus zwei Wochen geschlossen, ebenso an den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr.
Aufnahme
Für die Aufnahme der Kinder gibt es kein festes Einzugsgebiet. Wir nehmen Kinder aus dem gesamten Stadtgebiet und Umgebung auf. Anmeldungen werden das ganze Jahr über angenommen. Es werden umfassende Elternaufnahmegespräche geführt.
Pädagogische Grundposition
Theoretische Grundlage im Montessori-Kinderhaus Magdeburg ist die Pädagogik Maria Montessoris. Kindsein und Entwicklung sind für Maria Montessori eine Einheit. Verhaltensmuster und Fähigkeiten des Kindes entfalten sich in einer Wechselwirkung mit seiner Umwelt, in Abhängigkeit von Erfahrungen, die das Kind mit seiner Umwelt macht. Das Kind handelt nach einem festen Schema von: Interesse - Wiederholung - Vervollkommnung. Im Laufe der kindlichen Entwicklung lassen sich Perioden beobachten, die durch das Vorherrschen besonderer Interessenrichtungen gekennzeichnet sind. Das Kind zeigt eine erhöhte Lernbereitschaft für ganz bestimmte Dinge, z. B. für das Gehen und Sprechen lernen. Diese Sensibilität hält eine Zeit lang an, um dann wieder abzuklingen. Dieses Phänomen nannte Maria Montessori „Sensible Phasen”. Zu einem späteren Zeitpunkt würde das Kind das Gleiche mit sehr viel größerer Mühe und willentlicher Anstrengung lernen. Der Pädagoge versteht sich als Helfer und Begleiter des Kindes, d. h. er hilft teilnehmend und beobachtend nach dem Leitsatz „Hilf mir es selbst zu tun”.
Für uns bedeutet dies, dass wir die Kinder in ihrem Lernprozess partnerschaftlich und demokratisch beraten und begleiten. Wir beobachten und geben Anregungen, indem wir vielfältiges Material bereitstellen und situationsbedingte Lösungswege anbieten. Dabei halten wir uns im Hintergrund, warten ab, ob Hilfe gewünscht wird. Statt zu beeinflussen, ermöglichen wir selbstbestimmtes Handeln und fördern so Interessen und Aktivitäten der Kinder. Dabei erfahren sie eine Erziehung ohne Zwang, aber mit Regeln und Ritualen. Die Pädagog/innen sind Impulsgeber, spüren Vorhandenes auf und bieten zusätzliches Anregungsmaterial an. Durch ihr bewusst zurückhaltendes Verhalten können Aktivitäten der Kinder in Gang kommen. Aufgrund der engen Zusammenarbeit aller Mitarbeiter/innen wird den Kindern die Möglichkeit gegeben, Angebote im ganzen Haus zu nutzen.
Lebens- und Erfahrungsbereiche
Die vorbereitete Umgebung
Ein Kind muss auf eine Umwelt treffen, deren anregender Charakter ihm erlaubt, seine Potenzialitäten zu entfalten. Die vorbereitete Umgebung und die Vorbereitung des Pädagogen sind das praktische Fundament unserer Erziehung.
Das bedeutet für uns, eine anregende Umgebung zu schaffen, die individuelles Lernen nach eigenem Tempo ermöglicht und den Entwicklungsphasen des Kindes gerecht wird. Die Gruppen- und Nebenräume sind überschaubar und klar gegliedert. Alles ist für jedes Kind ohne Hilfe erreichbar, denn es soll selbständig tätig werden. Die Materialien sprechen das Kind an. Durch Platzierung im Raum, Formgebung und Farbe, durch Schlichtheit und Überschaubarkeit sagen sie dem Kind: “Komm, erprobe, was in mir steckt. Lass dich herausfordern.” Das wird ermöglicht durch offene Regale. In denen ist jedes Material nur einmal vorhanden und in verschiedene Bereiche geordnet, dass es bei jedem Kind einen individuellen weiterführenden Lernprozess bewirkt. Die vorbereitete Umgebung bietet zusätzlich Möglichkeiten zum Malen, Formen und künstlerischen Gestalten.
Die Materialien sind gegliedert in:
- Übungen des täglichen Lebens
- Sinnesmaterialien
- Sprachmaterialien
- Mathematische Materialien
- Kosmische Erziehung
Gruppenerfahrungen
Durch vielfältige Erfahrungen nimmt sich das Kind in der Gruppe wahr, es lernt, Konflikte selbst zu bewältigen und eigene Lösungen zu finden. Es werden Regeln zusammen aufgestellt, die Vertrauen und Sicherheit bieten. Die Gruppen haben eine Altersmischung, die zu interessen- und entwicklungsbedingten Beziehungen einladen, in denen die Kinder mit und ohne Behinderung von und miteinander lernen. Sie lernen, sich selbst zu organisieren und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.
Arbeitsphase
Ein Betätigungsfeld der Kinder ist die Arbeit mit den Montessori-Materialien. Je nach Interesse und Entwicklungsstand wählen die Kinder ein Material und einen Ort, mit oder an dem sie sich intensiv an die Aufgabe binden können. Um diesen Ort deutlich von anderen abzugrenzen, gibt es Arbeitsteppiche und Namenschilder. Die Kinder können auch in anderen Gruppen tätig werden.
Freies Spiel
Im Freien Spiel haben die Kinder die Möglichkeit, ihre Umwelt zu entdecken, wie z. B. auf dem Bauteppich, in der Puppenecke, am Puppenhaus und auf der Freifläche. Im Spiel können sie ihrer Phantasie und Kreativität freien Lauf lassen.
Gesunde Lebensweise
Im Kinderhaus wird den Kindern eine ausgewogene und gesunde Kost geboten. Frühstück, Mittagessen und Vesper können sie zu sich nehmen. Unsere Lebensmittel sind aus biologischem und teilweise regionalem Anbau. Zur Gesunderhaltung des Körpers zählt neben der gesunden Ernährung und der regelmäßigen sportlichen Betätigung auch die Körperhygiene, wie z. B. das regelmäßige Zähneputzen. Ein wichtiges Prinzip für die Gesunderhaltung der Kinder ist der tägliche Aufenthalt im Freien (auch bei schlechtem Wetter).
Öffnung nach Außen
- Stadtteilfeste
- Tag der offenen Tür
- Projektbezogene Ausflüge
- Regelmäßige Theaterbesuche
Zusätzlich arbeiten wir mit vielen verschiedenen Institutionen und Einrichtungen zusammen, wie z. B.
- Bischof-Weskamm-Haus (Tagespflegestation)
- Evangelischer Kindergarten und Schule ( St.-Martins-Umzug im Stadtteilgebiet, Schnupperstunden in der Schule)
- Kindergarten „Au-clair-de-la-lune” (Notbetreuung während der Schließzeit)
Gestaltung der Kinderhaus-Umwelt
- Pflege von Pflanzen und Tieren
- Außengelände (z. B. Gemüsebeet)
- Beobachten und Erkunden von Zusammenhängen in der Natur
>>> Kinderhaus-Konzept (PDF)
